Glaubenskongregation

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Die Kongregation für die Glaubenslehre ist die oberste Behörde zur Förderung und zum Schutz der Glaubens- und Sittenlehre in der universalen Kirche. Sie ist die älteste und bedeutendste der neun Kongregationen der Römischen Kurie und umfasst drei Abteilungen: die Lehrabteilung, die Disziplinarabteilung und die Eheabteilung.

Die Aufgaben der Glaubenskongregation beziehen sich in universaler Weise auf alles, was Glaube und Sitten berührt. Gleichzeitig ist sie das oberste Gericht in ihrem Kompetenzbereich.

Historische Skizze

Die Kongregation für die Glaubenslehre (lat.: Congregatio pro doctrina fidei) ist die älteste der neun Kongregationen der römischen Kurie. Sie hieß zuerst „Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis“ (dt.: Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition) und wurzelt in der Zeit des Tridentinum (1545–1563). Gründer war Papst Paul III. durch die Apostolische Konstitution „Licet ab initio“ vom 21.7.1542.
Genuine Aufgaben der Kongregation waren die Ausbreitung des katholischen Glaubens, das Wachen über Glaubensfragen, die Abwehr und Verurteilung von Häresien – insbesondere des Protestantismus – und das Indexwesen.

Auch außerhalb Roms hatte die Kongregation in verschiedenen Städten Beamte und beauftragte Inquisitoren, die für sie tätig waren. Die anfänglich rein gerichtlichen Kompetenzen, die vornehmlich die Bereiche Häresie und Schisma betrafen, wurden von Papst Paul IV. 1555 auf den Bereich moralischer Fragen ausgeweitet. Papst Sixtus V. gab der Kurie durch die Bulle „Immensa aeterni Dei“ (22.1.1588) eine neue Ordnung. Die Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis hatte als Aufgabenbereich nun auch über alle Fragen zu wachen, die direkt oder auch nur indirekt mit der Glaubens- oder Morallehre der Kirche zu tun hatten. Dadurch erfuhr die Inquisition einen starken Bedeutungszuwachs innerhalb der Kurie und der Kirche allgemein.

Papst Pius X. änderte den Namen der Kongregation durch die Apostolische Konstitution „Sapienti consilio“ (29.6.1908) in „Sacra Congregatio Sancti Officii“ (dt.: Heilige Kongregation des Heiligen Offizium). Gleichzeitig wurde dem Heiligen Offizium das Ablasswesen in lehrmäßigen Fragen zugewiesen. 1917 übertrug Papst Benedikt XV. dem Heiligen Offizium durch das Motu proprio „Alloquentes proxime“ (25.3.1917) die Kompetenzen der aufgelösten Indexkongregation, die Aufgaben bezüglich des Ablasswesens wurden jedoch in gleichem Zug an die Apostolische Pönitentiarie ausgegliedert.

Papst Paul VI. ordnete Aufgaben und Struktur der Kongregation im Motu proprio „Integrae servandae“ (7.12.1965) neu und gab ihr den heutigen Namen, zunächst noch mit dem Zusatz „Sacra Congregatio ...“. Zudem erfuhr 1965 die Ordnung der Lehrüberprüfung eine Erneuerung und auch der Index wurde erst durch „Integrae servandae“ förmlich abgeschafft. Die Aufgaben der Beseitigung von doktrinellen Irrtümern sowie des Schutzes und der Förderung der Lehre durch die Glaubenskongregation traten nun gegenüber der bisherigen Funktion der vor allem gerichtlichen Verurteilung in den Vordergrund.

In der Apostolischen Konstitution „Pastor bonus“ (28.6.1988) erhielt die gesamte römische Kurie durch Papst Johannes Paul II. eine neue Ordnung. Johannes Paul II. definierte darin auch die Aufgaben und die Struktur der Glaubenskongregation neu. Er betonte insbesondere die Förderung und den Schutz der Reinheit der Glaubens- und Sittenlehre der universalen Kirche. In diesem Bereich hat die Glaubenskongregation auch gerichtliche Funktion.

„Pastor bonus“ stellt den vorerst letzten Meilenstein in der Ordnung der römischen Kurie dar. Jedoch arbeitet der gegenwärtige Papst Franziskus gemeinsam mit einem beratenden Gremium von neun Kardinälen u. a. auch an einer Neuordnung der Kurie. Diesem Gremium gehört auch der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, an.

Der Index Librorum

Eine wichtige Aufgabe der Glaubenskongregation und später auch der Indexkongregation bestand ab dem 16. Jahrhundert in der Prüfung der Bücher und Schriften, die inhaltlich die Glaubens- und Sittenlehre der katholischen Kirche betrafen. Hintergrund war der im 15. Jahrhundert aufkommende Buchdruck, der vonseiten der kirchlichen Obrigkeit Festlegungen zur Begutachtung von Büchern und Druckerzeugnissen erforderlich machte, die die katholische Glaubens- und Sittenlehre berührten. In der Folge wurden ab 1557 die von der Inquisition verbotenen Bücher und Schriften aufgelistet.

Papst Paul IV. reformierte das Indexwesen und richtete den „Index Librorum Prohibitorum“ bzw. „Index Romanus“ ein. Anfangs gehörte das Indexwesen zum Aufgabenbereich der Inquisition und wurde in dieser Weise durch das Tridentinum (Sessio XVIII, 1562) bekräftigt. Papst Pius V. richtete 1571 eine eigene Indexkongregation (Congregatio indicis librorum prohibitorum) ein, die bis 1917 Bestand hatte. Durch das Motu proprio „Alloquentes proxime“ (25.3.1917) hob Papst Benedikt XV. die Indexkongregation förmlich auf und übertrug die Kompetenzen in diesem Bereich dem Heiligen Offizium, also derjenigen Instanz, die sie ursprünglich innegehabt hatte. Der Index selbst wurde jedoch erst durch Papst Paul VI. im Motu proprio „Integrae servandae“ (7.12.1965) abgeschafft, sodass die Ausgabe des Index, die 1948 unter Papst Pius XII. erschien, die letzte blieb.

Der Index umfasste drei Klassen:

  • a) Namen häretischer Schriftsteller
  • b) Werke häretischen Inhalts
  • c) verbotene Schriften, die ohne den Namen des Verfassers erschienen sind

Der „Index Librorum Purgandorum“ führte Werke auf, die von beanstandeten Stellen zu säubern seien.Die theologische Grundlage für die Prüfung von Büchern und Schriften durch die Kirche besteht darin, dass der Kirche von Jesus Christus das Glaubensgut (depositum fidei) anvertraut ist. Die Kirche ist zum Schutz des Glaubensguts, zur weiteren Erforschung und zur Ausbreitung desselben verpflichtet, besonders in Bezug auf das Evangelium. Die sittlichen Grundsätze (principia moralia) und die soziale Ordnung (ordo socialis) müssen klar verkündet werden und, wo nötig, müssen diesbezüglich Urteile durch die Kirche gefällt werden. Im geltenden Kirchenrecht wird dieser Sachverhalt durch can. 747, §§ 1 u. 2 CIC/1983 bzw. Titel XV, Kap. IV, cann. 651–666 CCEO/1990 gestützt.

Bereits der CIC von 1917 führt in cann. 1385–1405 u. 2318 genaue Regelungen und Festlegungen von Strafmaßnahmen bezüglich der Kontrolle von Büchern aus, die das Glaubensgut betreffen. Die Vergabe des Imprimatur und die Regelungen zum Index wurden genau festgeschrieben, ebenso die Strafe der Exkommunikation, die aus den Verstößen dagegen resultiert (can. 2318 CIC/1917).

Der Index umfasste bis zu seiner Einstellung ca. 6.000 Bücher. Es wurde zwischen vorausgehender Prüfung (cann. 1385–1394 CIC/1917) und nachfolgender Beurteilung (cann. 1395–1405 CIC/1917) unterschieden. Die Vergabe des Imprimatur lag im Aufgabenbereich der jeweiligen Ortsordinarien bzw. (Ordens-)Oberen.
Änderungen folgten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965): Das Konzilsdokument „Inter mirifica“ (1963, bes. Nr. 18–22) behandelt zwar vornehmlich soziale Medien und Massenmedien (Funk, Fernsehen und Film sowie Zeitungen), daraus ergeben sich aber auch Konsequenzen im Umgang mit der Veröffentlichung von Büchern.

In der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde, wie bereits erwähnt, der Index zum 29.3.1967 durch das Motu proprio „Integrae servandae“ (7.12.1965) sowie Dekrete vom 14.6. und 15.11.1966 abgeschafft. In gleichem Zug wurden alle in diesem Zusammenhang noch wirksamen Strafen aufgehoben. Die Kontrolle von entsprechenden Büchern wurde durch das Dekret „De ecclesiae pastorum vigilantia circa libros“ vom 19.3.1975 neu geregelt. Dieses Dekret ist im Wesentlichen in den CIC von 1983 eingegangen.
Im CCEO (1990) regelt Titel XV („Das kirchliche Amt“), Kap. IV („Instrumente sozialer Kommunikation, besonders Bücher“) die Prüfung von Büchern (cann. 651–666). Die Ausgestaltung ist ähnlich wie im CIC von 1983.

Die Glaubenskongregation nach „Pastor bonus“ (1988), Art. 48–55

Mitglieder und Aufbau (Stand: 2014)

Die Glaubenskongregation ist in ihrer Struktur anderen Kongregationen ähnlich. In der Zusammensetzung der Mitglieder, Mitarbeiter und Konsultoren spiegelt sich die Weltkirche wider. Die wichtigsten Positionen sind nachfolgend aufgelistet:

  • Kardinalpräfekt: Gerhard Ludwig Kardinal Müller (seit 2012)
  • Sekretär: Erzbischof Luis F. Ladaria SJ (seit 2008)
  • Beigefügter Sekretär: Erzbischof Joseph Augustine Di Noia OP (seit 2013)
  • Untersekretär: Msgr. Damiano Marzotto Caotorta
  • Promotor Iustitiae: Rev. Robert W. Oliver

Die Glaubenskongregation hat derzeit 23 Kardinäle und (Erz-)bischöfe aus 17 Nationen als Mitglieder. Sie werden vom Papst jeweils für fünf Jahre berufen und können mehrmals wiederberufen werden. Ferner sind bei der Kongregation 47 Mitarbeiter und 28 Berater tätig.

Die Mitarbeiter und Berater, Konsultoren und Fachgelehrten stammen aus allen Bereichen der Weltkirche, sodass Anfragen in nahezu allen Sprachen behandelt werden können. Die Konsultoren kommen zu wöchentlichen Sitzungen zusammen oder werden postalisch informiert. Sie prüfen Dokumente und fertigen dazu beratende Gutachten an. Diese werden der Kardinalsversammlung der Kongregation vorgelegt, die die Entscheidungen vorbereitet. Die endgültige Approbation der Entscheidungen findet durch den Papst statt, der den Kardinalspräfekt zu regelmäßigen Audienzen empfängt.

Die Glaubenskongregation umfasst, ihren Aufgaben entsprechend, drei Sektionen:

  • die Sektion für die Glaubensdoktrin
  • die Disziplinarsektion
  • die Ehesektion

Die Päpstliche Bibelkommission und die Internationale Theologische Kommission sind zur Glaubenskongregation zugehörig. Die beiden Kommissionen arbeiten nach eigenen approbierten Normen unter dem Vorsitz des Präfekten der Glaubenskongregation. Auch die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei ist seit 2009 in gleicher Weise der Glaubenskongregation unterstellt. Die Glaubenskongregation beherbergt überdies ein Historisches Archiv, das zu Forschungszwecken genutzt werden darf.

Aufgaben und Arbeitsweise

Die Kongregation für die Glaubenslehre ist die oberste Behörde zur Förderung und zum Schutz der Glaubens- und Sittenlehre in der universalen Kirche. Ihre Aufgaben beziehen sich in universaler Weise auf alles, was Glaube und Sitten berührt: „munus est doctrinam de fide et moribus in universo catholico orbe promovere atque tutari“. Sie ist oberstes Gericht in ihrem Kompetenzbereich.

Die Glaubenskongregation fördert Forschung und Lehre im Bereich des Glaubens und der Sitten, damit den Menschen auf ihre diesbezüglichen Fragen „eine Antwort im Licht des Glaubens gegeben werden kann“ („responsio sub luce fidei praeberi possit“). Damit ist sie für Gläubige und auch Nichtgläubige oberste Ansprechpartnerin bezüglich katholischer Glaubens- und Sittenfragen und dadurch ein wichtiges, in die Öffentlichkeit wirkendes Organ der Kurie.

Ferner leistet sie den Bischöfen, in Kooperation mit der Bischofskongregation, Hilfe bei der Ausübung ihres authentischen Lehramts zum Schutz des Glaubens („auxilio est in exercitio muneris“). So werden die Bischöfe bei ihren Ad-limina-Besuchen regelmäßig von der Glaubenskongregation empfangen.

Eine zentrale Aufgabe der Glaubenskongregation ist es, wie vorhin in Bezug auf den Index bereits deutlich wurde, die Glaubensverkündigung zu überwachen und vor allgemein verbreiteten Irrtümern („errores quomodocumque vulgati“) und Häresien zu schützen. Zu dieser Aufgabe gehören die Vorzensur, die Lehrprüfung sowie die Widerlegung falscher und gefährlicher Lehren:
Die Vorzensur besteht darin, das Vorlegen von Schriften vor der zuständigen kirchlichen Autorität zur Prüfung zu verlangen. Die Lehrprüfung bezieht sich vornehmlich auf neue, gefährlich erscheinende Lehrmeinungen in Wort und Schrift.
Mindestanforderungen verfahrensrechtlicher Natur legt das Lehrbeanstandungsverfahren fest: Dazu gehören als zentrale Elemente die Anhörung des Urhebers und die Benachrichtigung des zuständigen Ordinarius.

Schließlich ist es fortwährende Aufgabe der Glaubenskongregation, falsche und gefährliche Lehren („erroneae ac periculosae doctrinae“), die in Umlauf sind, zu widerlegen und die rechte katholische Position im jeweiligen Fall durch Verlautbarungen zu verdeutlichen.
Die Glaubenskongregation urteilt über Glaubens- und (schwerwiegende) Sittendelikte (delicta graviora) sowie über Vergehen bei der Feier der Sakramente, sofern diese ihr angezeigt werden, und verhängt diesbezüglich kanonische Strafen.

In Ehefragen ist die Glaubenskongregation in Abstimmung mit kirchlichen Gerichtshöfen allgemein und gerichtlich zuständig für das privilegium fidei. Das privilegium fidei bezeichnet die Macht des Papstes, eine zwar gültig geschlossene, aber nicht sakramentale Ehe aufzulösen, wenn der katholische Teil einer Ehe zwischen getauftem und nicht getauftem Partner eine katholische und damit sakramentale Ehe einzugehen beabsichtigt. Hier wie in anderen Fällen entscheidet und handelt die Kirche zugunsten des katholisch Glaubenden, um ihm bzw. ihr eine sakramentale Ehe nach katholischem Kirchenrecht zu ermöglichen. Damit kann der entsprechende Ehepartner an den Gnaden Anteil erhalten, die aus dem Ehesakrament ausfließen.

Schließlich prüft die Glaubenskongregation alle Dokumente anderer Dikasterien der römischen Kurie, die sich auf die Lehre von Glaube und Sitten beziehen. Dadurch gewinnt die Glaubenskongregation ihre zentrale Position, da sich nahezu alle Dokumente der Kurie mit Fragen der Glaubens- oder Sittenlehre befassen.
Seit 1985 veröffentlicht die Glaubenskongregation ihre Dokumente in der Reihe „Documenti e Studi“ (Libreria Editrice Vaticana) und kommentiert ggf. ihre Verlautbarungen im „Osservatore Romano“. Die Dokumente gliedern sich in drei Bereiche: zur Doktrin, zur Disziplin und zu sakramentalen Fragen. Sie differenzieren sich in verschiedene Kategorien aus: Instruktionen (Anweisungen), Lehrmäßige Noten, Antworten zu Anfragen, Notifikationen und Allgemeine Schreiben.

Die drei Abteilungen der Kongregation (siehe oben) haben folgende Aufgaben:

  • Die Lehrabteilung, d. h. die Sektion für die Glaubensdoktrin, beschäftigt sich mit allen Fragen, die mit Themen und der Verbreitung der katholischen Glaubens- und Sittenlehre in Zusammenhang stehen. Zu diesem Zweck bereitet sie entsprechende Dokumente vor und greift ein, wenn von der Lehre der Kirche abweichende Positionen vertreten und verbreitet werden. In diesem Zusammenhag prüft sie auch entsprechende Veröffentlichungen. Ferner untersucht diese Abteilung der Glaubenskongregation Dokumente anderer Dikasterien in Bezug auf die klare Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche. Schließlich prüft die Lehrabteilung die Nihil-obstat-Anfragen bei Ehrungen und Ernennungen.
  • Die Disziplinarabteilung hat sich mit delicta graviora zu beschäftigen, also mit Straftaten gegen Glaube und Sitten und bei der Feier der Sakramente. Weitere Fragen disziplinärer Natur umfassen: Pseudo-Mystizismus (insbes. Vorspiegeln der Feier von Sakramenten durch Nichtbefugte), mutmaßlich übernatürliche Erscheinungen, Visionen oder Botschaften, Spiritismus (Geisterglaube) sowie Magie und Simonie (Ämterkauf).
    Die Disziplinarabteilung befasst sich aber auch mit Seelsorgern nicht katholischer Gemeinschaften, die zur katholischen Kirche konvertiert sind und zum Priesteramt bzw. zur Priesterweihe zugelassen werden wollen. Ferner beschäftigt sie sich mit Dispensen bei Weihehindernissen, mit der Wiederzulassung zur Ausübung der heiligen Weihen und mit der Lossprechung von Strafen der Exkommunikation, die allein in den Aufgabenbereich des Apostolischen Stuhls fallen. Schließlich prüft auch diese Abteilung Nihil-obstat-Anfragen bei der Eröffnung eines Heilig- oder Seligsprechungsverfahrens, bei der Errichtung und Förderung der Institute geweihten Lebens und Gesellschaften apostolischen Lebens sowie bei verschiedenen Ernennungen oder Ehrungen.
  • Die Eheabteilung ist mit den Aufgaben des privilegium fidei betraut. Dazu gehören alle Fragen bezüglich des Ehebandes hinsichtlich der Gültigkeit des Sakraments, so bei der Auflösung der Ehe „in favorem fidei“, d. h. bei der Auflösung einer gültigen, aber nicht sakramentalen Ehe zugunsten des bereits katholischen Ehepartners, der eine sakramentale Ehe eingehen möchte, wie weiter oben bereits ausgeführt wurde.


Überdies beschäftigt sich ein Sonderbeauftragter mit Anträgen auf Dispens vom priesterlichen Zölibat, die noch anhängig und vor dem Jahr 1989 eingereicht worden sind. Dieser Sonderbeauftragte, der im Rang eines Abteilungsleiters steht, kümmert sich ebenso um die Reintegration von Priestern und die Fragen und Probleme, die damit in Zusammenhang stehen.
Alle Abteilungen und ebenso der Sonderbeauftragte arbeiten mit anderen Dikasterien zusammen, die für den jeweiligen Fall einschlägig sind. Dies können Kongregationen sein oder auch Päpstliche Gerichtshöfe.

Schluss

Die Kongregationen der römischen Kurie sind untereinander zwar rechtlich gleichgestellt, jedoch wird aus dem Profil und der Geschichte einzelner Kongregationen deren Bedeutung ersichtlich. Dies gilt im Besonderen für die Glaubenskongregation. Fabrizio Rossi nennt sie deshalb das „geistliche Zentralorgan“ der Kurie. Aufgrund ihrer Kompetenz, in allen Fragen der Glaubens- und Sittenlehre gehört zu werden, laufen beinahe alle Dokumente über die Glaubenskongregation bzw. müssen ihr zur Prüfung vorgelegt werden. Der Präfekt der Glaubenskongregation ist damit enger Mitarbeiter des Papstes, da er ihm wöchentlich zahlreiche Papiere zur Unterschrift vorlegen und sich mit ihm beraten muss. So ist es verständlich, dass der Präfekt der Glaubenskongregation dem Papst gut bekannt ist und zu seinen Vertrauten zählt. Auch in der Kurie ist der Präfekt damit ein wichtiger Gesprächspartner. 2005 war es der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, der nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. aus dem Konklave als Papst Benedikt XVI. hervorging.
Beim Besuch der Studierendengruppen aus Augsburg und München in der Glaubenskongregation am 6.3.2014 hob der derzeitige Präfekt, Gerhard Kardinal Müller, in seiner Ansprache hervor, dass es eine wichtige Aufgabe der Kongregation sei, Orthodoxie und Orthopraxie in ein gutes und ausgewogenes Verhältnis zueinander zu setzen. Damit sei gemeint, so Kardinal Müller, dass der rechte katholische Glaube in einer ihm entsprechenden Praxis, einem ihm entsprechenden Tun Ausdruck finden muss. Umgekehrt muss sich die Glaubenspraxis immer an der gültigen katholischen Glaubenslehre, wie sie im depositum fidei grundgelegt ist, orientieren und sich an ihr messen lassen. Diese Überlegungen zeigen klar die Grundaufgabe der Glaubenskongregation, die darin besteht, „das Glaubensgut zu schützen und die altkirchliche Moral zu verteidigen.“

Quellen

  • Acta Apostolicae Sedis [AAS], 1ff. (1909)ff.
  • Apostolische Konstitution Pastor bonus (1988), lat.-dt., in: Codex Iuris Canonici, lat.-dt., hg. v. Verband der dt. Diözesen, Butzon & Bercker, Kevelaer 1984, 7. Aufl. 2012, S. 771–833.
  • Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, auctoritate Ioannis Pauli PP. II. promulgatus, fontium annotatione auctus, Libreria Editrice Vaticana, Rom 1990, Nachdruck: 1995.
  • Codex Iuris Canonici Pii X. Pontificis Maximi iussu digestus Benedicti Papae XV. auctoritate promulgatus, Typ. Vaticanis, Rom 1917.

Sekundärliteratur

  • del Ré, Niccolò: Vatikanlexikon, dt. Bearbeitung v. Elmar Bordfeld, Pattloch, Augsburg 1998.
  • Kongregation für die Glaubenslehre [Informationsbroschüre, dt.], hg. v. der Kongregation für die Glaubenslehre, Vatikanstadt [o. J.].
  • Krämer, Peter: Kirchenrecht, Bd. II: Ortskirche – Gesamtkirche, Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 1993.
  • Reese, Thomas J.: Inside the Vatican. The Politics and Organization of the Catholic Church, Harvard Univ. Pr., Cambridge/Mass. 1996; dt. Ausgabe: Im Innern des Vatikan. Politik und Organisation der katholischen Kirche. Mit einem Nachwort von Otto Kallscheuer, übers. v. Yvonne Badal, Fischer, Frankfurt am Main 1998.
  • Ritter, Johannes O.: Art. „Kongregationen, römische“, in: Lexikon für Theologie und Kirche [LThK], 3. Aufl., hg. v. Walter Kasper u. a., Bd. 6, Herder, Freiburg i. Br./Basel/Wien 1997, Sp. 249–252.
  • Rossi, Fabrizio: Der Vatikan. Politik und Organisation, 3. Aufl., C. H. Beck, München 2004.
  • Schmitz, Heribert: Die Römische Kurie, in: ders.; Listl, Joseph (Hg.): Handbuch des katholischen Kirchenrechts [HdbKathKR], 2. Aufl., Pustet, Regensburg 1999, S. 364–385.

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