Grenzübergreifende Pilgerwege

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Die verschiedenen Routen des Jakobswegs

Europa ist von einem Netz von Straßen durchzogen, die seit Jahrhunderten von Pilgern als Pilgerwege<events Name="Grenzübergreifende Pilgerwege" keyword="Grenzübergreifende Pilgerwege"> Angebote zum Thema „Grenzübergreifende Pilgerwege“</events> genutzt werden. Neben den kleineren, lokalen Wallfahrtswegen sind es vor allem die großen grenz- und länderübergreifenden Pilgerwege, die das Bild Europas durch die Zeiten hindurch prägten und bis in die Gegenwart hinein mitformen. Seit Jahrhunderten stellen diese Pilgerstraßen einen wichtigen Aspekt des interkulturellen Austauschs und der grenzüberschreitenden zwischenmenschlichen Begegnungen dar. In diesem Sinne können sie auch heute für kulturellen Austausch, Begegnungen und grenzübergreifende Erfahrungen in Europa hilfreich sein.

Auswahl von grenzübergreifenden Pilgerwegen

Neben den Pilgerwegen, die zu den drei klassischen Pilgerzielen Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela führen, existieren noch zahlreiche andere neue und alte Pilgerwege, die Europa grenzübergreifend durchziehen.

  • Jakobsweg: Einer der ältesten und sicherlich der bekannteste Pilgerweg ist der Jakobsweg, der das Grab des hl. Jakobus in Santiago de Compostela zum Ziel hat. Seit dem Mittelalter wird er von Pilgern begangen. Die einzelnen Abschnitte und Nebenwege des Jakobswegs setzen sich teilweise aus eigenständigen regionalen Pilgerwegen zusammen. Sein weitverzweigtes Netz führt auf den verschiedensten Wegen aus allen Winkeln Europas zu den Pyrenäen. Dort vereinen sich alle Pilgerrouten im sogenannten „Camino Francés“, dem ältesten Wegabschnitt, der durch Nordspanien nach Santiago de Compostela führt.
  • Via Francigena: Die Via Francigena ist eine mittelalterliche Pilgerroute, die von Canterbury nach Rom führt. Die Rekonstruktion ihrer Wegführung beruht auf den Aufzeichnungen Bischof Sigerichs des Ernsten aus dem 10. Jahrhundert. Die Via Francigena durchzieht von England aus Frankreich und die Schweiz und reicht bis nach Italien. Mit dem Wiederaufleben des Jakobswegs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte auch die Via Francigena eine Renaissance.
  • Der alte Königsweg in Norwegen als Teil des Olafswegs
    Olafsweg: Zum Grab des Hl. Olaf im Nidarosdom in Trondheim führt das Wegenetz des Olafswegs. Dieses Netz durchzieht ganz Skandinavien und wird als Pilgerweg seit dem Mittelalter genutzt. Im Zuge der Reformation wurde das Pilgern verboten (in Norwegen gar unter Todesstrafe gestellt), die Klöster wurden aufgelöst und der Schrein des hl. Olaf zerstört. Dadurch kam der Pilgerbetrieb völlig zum Erliegen. Nachdem der Olafsweg jahrhundertelang in Vergessenheit geraten war, wurde er im Jahr 1997 offiziell neu eröffnet.
  • Via Nova: Die Via Nova ist ein junger Pilgerweg, der 2004 ins Leben gerufen wurde. Der Weg verbindet ältere Pilgerstraßen miteinander und besteht daher aus mehreren Routen, die sich über Bayern, Österreich und Tschechien erstrecken. Da es sich bei der Via Nova um keinen einheitlichen Pilgerweg handelt, gibt es auch kein bestimmtes Ziel oder eine vorgegebene Richtung des Pilgerns.
  • St.-Rupert-Pilgerweg: Der Beginn des St.-Rupert-Pilgerwegs ist der Wallfahrtsort Altötting. Von dort aus führt die Pilgerstraße durch die Diözesen Passau, München-Freising und Salzburg und verbindet so Deutschland mit Österreich. Der St.-Rupert-Pilgerweg kann auf zwei Routen begangen werden: Die erste Route endet in Salzburg am Grab des hl. Rupert. Die zweite führt über Sankt Gilgen nach Bischofshofen, wo sich das Rupertuskreuz befindet.
  • Donau-Alpen-Adria-Radpilgerweg: Der im Jahr 2003 erstmals befahrene Donau-Alpen-Adria-Radpilgerweg verbindet Deutschland, Österreich und Italien. Auf seinen vier bis neun Etappen führt er von Passau an zahlreichen Marienheiligtümern vorbei bis nach Grado, zur Madonna di Barbana.
  • Wolfgangweg: Die Route des Wolfgangwegs führt von Regensburg bis nach St. Wolfgang am Wolfgangsee. Wie der Ort St. Wolfgang, so hat auch der Wolfgangweg seinen Namen vom hl. Wolfgang. Dieser floh aufgrund von politischen Auseinandersetzungen von Regensburg an den Wolfgangsee. Der Pilgerweg folgt dem damaligen Fluchtweg des Heiligen und führt die Pilger auf seinen Spuren zum Ziel. Der Wolfgangweg ist ein alter Pilgerpfad und eine der zahlreichen Wegstrecken, die von Pilgern in der Vergangenheit auf ihren Wallfahrten nach St. Wolfgang genutzt wurden. Der Wallfahrtsbetrieb in St. Wolfgang etablierte sich im Mittelalter. Der Ort entwickelte sich daraufhin zu einer der bedeutendsten Pilgerstätten Europas. Nachdem die Wallfahrt im Zeitalter der Aufklärung zum Erliegen kam, erfreut sich der Wolfgangweg in jüngerer Zeit wieder wachsender Beliebtheit.
  • Benediktweg: Der Benediktweg nimmt seinen Anfang im österreichischen Ort Spital am Pyhrn, führt an den Benediktinerklöstern Admont, Seckau und Sankt Paul im Lavanttal vorbei und endet im slowenischen Gornji Grad. Der Pilgerweg wurde im Jahr 2009 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Wiederbesiedelung des Klosters St. Paul im Lavanttal durch die Mönche von Spital am Pyhrn gegründet und endete zunächst in St. Paul im Lavanttal. Im Jahr 2011 wurde die Wegstrecke bis nach Gornji Grad verlängert. Seinen Namen verdankt der Benediktweg dem hl. Benedikt von Nursia, da die Gründung und der Verlauf des Pilgerwegs von wichtigen Benediktinerklöstern geprägt sind.
  • Wegmarkierung auf dem Martinusweg
    Via Sancti Martini: Vom ungarischen Szombathely, dem Geburtsort des hl. Martin, durchzieht die Via Sancti Martini Mitteleuropa und endet in Tours, dem Wirkungs- und Sterbeort des Heiligen. Eine Nebenstrecke des Wegs ist der Martinusweg, der in die Via Sancti Martini mündet. Der Martinusweg wurde im Jahr 2011 eröffnet und führt durch die deutschen Diözesen Rottenburg-Stuttgart, Freiburg, Mainz und Trier bis nach Tours in Frankreich. Die Route des Martinuswegs ist neben dem Hauptweg in vier Regionalwege gegliedert, die jeweils in den Hauptweg münden.
  • Via Romea: Auf den Spuren des Abts Albert von Stade führt die Via Romea vom norddeutschen Stade nach Rom. Albert begab sich im Jahr 1236 nach Rom und fertigte von seiner Reise eine Reisebeschreibung an, die in den folgenden Jahrhunderten den Pilgern als Leitfaden diente und diesen Pilgerweg begründete. Als „Weg der Begegnung“ werden die 2200 Kilometer der Via Romea auch heute noch begangen.

Literatur

  • Glogowski, Dieter; Rosenboom, Stefan; Nuß, Andrea: Pilgern. Wege der Stille. Unterwegs auf den bedeutendsten Pilgerpfaden der Welt, München 2020.
  • Hardegger, Sibylle: Weiter Himmel – Stille Wege. Pilgerwege zu den heiligen Stätten des Nordens, München 2013.
  • Herbers, Klaus u. a.: Pilgerwege im Mittelalter, Darmstadt 2005.
  • Mönnich, Conrad W.: Pilgerwege. Begegnungen mit der Kultur, München 1956.
  • Troidl, Eva-Maria; Lenz, Stefan: Pilgern in Bayern. Pilgerwege durch Franken, Oberbayern, Schwaben, München 2013.

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