Papst Benedikt XVI.

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Acht Jahre lang, vom 19. April 2005 bis zum 28. Februar 2013, hat ein Bayer das höchste Amt in der katholischen Kirche innegehabt: Joseph Ratzinger, geboren im oberbayerischen Marktl am Inn und von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising, war Papst Benedikt XVI.
Kardinal Reinhard Marx und die Erzdiözese München und Freising schauen dankbar und in enger Verbundenheit mit Benedikt XVI. auf dessen Pontifikat zurück. Am 11. Februar 2013, dem Tag der Rücktrittserklärung des Papstes, sagte Kardinal Marx: „Wir sind voll des Dankes für sein segensreiches Wirken als Oberhaupt der katholischen Kirche und wir blicken zugleich auf die vielen wertvollen Begegnungen mit ihm während seines Pontifikats zurück.“ Die Bayern und das Erzbistum dürften „dankbar sein für seine große, starke, theologisch geprägte geistliche Lebensleistung, gerade auch in den letzten acht Jahren.“


Lebensgeschichte

Kindheit und Jugend – Auf Wanderschaft zwischen Inn und Salzach

Joseph Ratzinger erblickte als drittes Kind der Eheleute Josef und Maria Ratzinger in Marktl am Inn das Licht der Welt. Am 16. April 1927, einem Karsamstag, wurde er hineingeboren in ein einfaches und bescheidenes Leben. Seine Kindheit war geprägt von einer liebevollen und tief gläubigen Familie. Er erlebte ein „freudiges, farbiges, menschliches Christentum“, erinnert er sich in seiner Autobiografie „Aus meinem Leben: Erinnerungen“.

Der Vater, ein Gendarm, wurde wiederholt versetzt. 1929 zog die Familie nach Tittmoning an der Salzach, wo Joseph im Alter von drei Jahren den Kindergarten im ehemaligen Augustinerkloster besuchte. Ende 1932 führte ein weiterer Umzug die Familie nach Aschau am Inn. Der fünfjährige Joseph besuchte dort die Schule und empfing in der spätgotischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt die erste heilige Kommunion. Zusammen mit Bruder Georg erhielt er im nahe gelegenen Kloster Au Klavierunterricht bei den Franziskanerinnen. Bis heute verbindet die Brüder die gemeinsame Liebe zur Musik.

Nach der Pensionierung des Vaters zog die Familie nach Traunstein, wo sie ein kleines Bauernhaus erwarb. Als Zwölfjähriger folgte Joseph seinem Bruder Georg in das Traunsteiner Studienseminar St. Michael – „mit großen Erwartungen“, wie er in seiner Autobiografie schreibt. In dem besonders an der Förderung von Priesterberufen ausgerichteten Studienseminar begann für die beiden Brüder der Weg zum Priestertum.

Im Schatten des Dritten Reichs

Joseph Ratzinger war 16 Jahre alt, als er die Zerstörung der bayerischen Landeshauptstadt München miterlebte. 1943 war er mit den anderen Seminaristen als sogenannter Flakhelfer eingezogen worden. Kurz vor Kriegsende entschloss sich Ratzinger, „nach Hause zu gehen“, wie es in seiner Autobiografie heißt. Er beging damit Fahnenflucht und war sich der Gefahr, die ihm deswegen drohte, durchaus bewusst. Zwei Soldaten, „die den auch Krieg satthatten“, ließen Joseph, der am Arm verwundet war, laufen. Er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft, ehe er am 19. Juni 1945 „überglücklich den Entlassungsschein in Händen hielt“, mit dem das Kriegsende auch für ihn Wirklichkeit wurde.

Vom Seelsorger zum Professor und Kardinal

1946 begann Joseph Ratzinger sein Theologiestudium, zunächst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising, dann an der Universität München.
Am 29. Juni 1951 empfing er zusammen mit seinem Bruder Georg und 43 weiteren Diakonen durch Kardinal Michael Faulhaber die Priesterweihe. Nach kurzer, aber intensiver seelsorgerischer Tätigkeit in Münchner Stadtpfarreien entschloss er sich zu einer wissenschaftlichen Laufbahn. Er promovierte 1953 mit einer Arbeit zum Thema „Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche“.

Vier Jahre später, mit 30 Jahren, wurde er Professor für Dogmatik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising. Von 1959 bis 1963 wirkte er als Ordinarius für Fundamentaltheologie an der Universität Bonn. Dort wurde der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings auf den jungen Professor aufmerksam und nahm ihn als seinen theologischen Berater (Peritus) mit zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–65). Es folgten Jahre als Hochschullehrer an den Universitäten in Münster (1963–66), Tübingen (1966–69) und Regensburg (1969–77). In Regensburg war sein Bruder Georg seit 1964 Domkapellmeister.

Am 25. März 1977 ernannte Papst Paul VI. den Regensburger Theologieprofessor und international renommierten Theologen zum Erzbischof von München und Freising und damit zum Nachfolger von Kardinal Julius Döpfner. Im Münchner Liebfrauendom wurde er am 28. Mai 1977, einem Samstag vor dem Pfingstfest, zum Bischof geweiht. Als Leitspruch wählte er ein biblisches Wort: „Cooperatores veritatis“ („Mitarbeiter der Wahrheit“). Am 27. Juni 1977 nahm ihn Papst Paul VI. in das Kardinalskollegium auf.

Der Ruf nach Rom

Am 25. November 1981 berief ihn Papst Johannes Paul II. als Kurienkardinal nach Rom und ernannte ihn zum Präfekten der Römischen Glaubenskongregation. In dieser Aufgabe war er mehr als zwei Jahrzehnte lang einer der engsten Mitarbeiter des Papstes. In seiner Amtszeit erschien auch der neue Katechismus der katholischen Kirche, eine prägnante Zusammenfassung der katholischen Glaubenslehre, die weltweit zum Bestseller wurde.

Habemus papam

Am 19. April 2005 wählten die wahlberechtigten Kardinäle der katholischen Weltkirche den Kardinaldekan Joseph Ratzinger zum Nachfolger des am 2. April 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. Der 265. Nachfolger des hl. Petrus nahm den Namen Benedikt XVI. an. Weltweit löste die Nachricht große Zustimmung und Anerkennung aus und besonders in Deutschland auch Freude und Hoffnungen. Nach 482 Jahren gab es damit wieder einen Deutschen auf dem Stuhl Petri.

Benedikt, Patron Europas

Dass sich Joseph Ratzinger als Papst den Namen Benedikt gewählt hat, geschah nicht ohne Grund. Traditionell wählt sich ein neuer Papst einen Namen, der schon einen Hinweis auf die Ausrichtung des Pontifikats gibt.

Papst Benedikt XVI. hat sich seinen Namen nicht zuletzt mit Blick auf die Bedeutung des benediktinischen Mönchtums in Vergangenheit und Gegenwart gewählt. Im Jahre 1964 erhob Papst Paul VI. den hl. Benedikt von Nursia zum Patron und Beschützer Europas. Durch seine Ordensregel und seine „Söhne“, die Benediktiner, wurde er einer der Schöpfer der abendländischen Kultur und Lehrmeister der europäischen Völker. Regel und Klöster sind von entscheidender Bedeutung für die folgenden eineinhalb Jahrtausende gewesen, nicht nur in religiöser Beziehung, sondern auch für die Entstehung, Erhaltung und fruchtbare Weiterentwicklung all dessen, was wir „Abendland“ oder „Europa“ nennen.

In seiner ersten Generalaudienz auf dem Petersplatz, am 27. April 2005, erläuterte Papst Benedikt XVI. die Gründe für seine Namenswahl. Zuerst sprach er davon, dass er sich an das Pontifikat des Friedenspapstes Benedikt XV. anlehnen wolle, der während des Ersten Weltkriegs vergeblich für den Frieden eingetreten sei. Ebenso wolle er sein Petrusamt in den Dienst der Versöhnung unter den Menschen und Völkern stellen. Dann aber fuhr er fort:
„Der Name Benedikt erinnert auch an die herausragende Gestalt des großen ,Patriarchen des abendländischen Mönchtumsʻ, an den heiligen Benedikt von Nursia, der zusammen mit den Heiligen Cyrill und Methodius Patron von Europa ist. Die zunehmende Ausbreitung des von ihm gegründeten Benediktinerordens hatte großen Einfluss auf die Verbreitung des Christentums in ganz Europa. Deshalb wird der heilige Benedikt in Deutschland und besonders in Bayern, meinem Geburtsland, sehr verehrt; er ist ein grundlegender Bezugspunkt für die Einheit Europas und ein nachdrücklicher Hinweis auf die unverzichtbaren christlichen Wurzeln der europäischen Kultur und Zivilisation. Von diesem Vater des abendländischen Mönchstums kennen wir die Empfehlung, die er den Mönchen in seiner Regel hinterlassen hat: ,Der Liebe zu Christus nichts vorziehenʻ (Regel 72,11; vgl. 4,21). Zu Beginn meines Dienstes als Nachfolger Petri bitte ich den heiligen Benedikt, uns zu helfen, an der zentralen Stellung Christi in unserem Dasein festzuhalten. Er soll in unserem Denken und Handeln immer an erster Stelle stehen!“

Pontifikat

Während seines ersten Auslandsbesuchs, der den neuen Papst im August 2005 nach Deutschland führte, wurde Benedikt XVI. von den Teilnehmern des XX. Weltjugendtages in Köln begeistert empfangen. Im September 2006 kehrte Papst Benedikt XVI. für sechs Tage in seine alte Heimat Bayern zurück: Vom 9. bis 14. September besuchte er, begleitet von einem weit reichenden Medienecho, das Erzbistum München und Freising sowie die Bistümer Passau und Regensburg.

Der neue Papst hat bereits in seinen ersten Äußerungen klargemacht, dass er das geistige und geistliche Erbe von Johannes Paul II. fortführen werde. Mit seiner am 25. Dezember 2005 veröffentlichten ersten Enzyklika, „Deus caritas est“ („Gott ist Liebe“), setzte er eigene Akzente, die international ein großes positives Echo fanden. Benedikt XVI. betont darin die zentrale Stellung des christlichen Liebesgebots im Ringen um eine gerechtere und menschenwürdigere Welt. Die zweite Enzyklika des Papstes, „Spe salvi“ („Auf die Hoffnung hin gerettet“), die im November 2007 erschienen ist, handelt von der christlichen Hoffnung, die von jedem blinden, technikgläubigen Fortschrittsglauben grundlegend zu unterscheiden sei. Die im Juli 2009 erschienene dritte Enzyklika, „Caritas in veritate“ („Liebe in Wahrheit“), formuliert eine  katholische Soziallehre, die sich in Zeiten der Globalisierung und der Finanz- und Wirtschaftskrise gegen Armut, Hunger und Umweltzerstörung richtet.

Der erste offizielle Deutschlandbesuch des bayerischen Papstes, vom 22. bis zum 25. September 2011, führte nach Berlin, Erfurt und Freiburg. Benedikt XVI. hielt als erster Papst im Deutschen Bundestag eine Rede. Zum ersten Mal besuchte ein Papst das Erfurter Augustinerkloster, in dem der Reformator Martin Luther wirkte. Dort kam der Papst mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen. Letzte Station dieser Reise war Freiburg im Breisgau.

Rücktritt

Am 11. Februar 2013 erklärte Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt vom Amt zum 28. Februar. Am 28. Februar um 20:00 Uhr endete damit sein Pontifikat.

Das Bistum Freising – eine „Terra benedictina“

Reiche Adelsfamilien stifteten im Bistum Freising im 8. Jahrhundert die ersten Klöster. Die Gründungsurkunden nannten als Motiv stets die Sorge um das „ewige Seelenheil“ der Stifter und ihrer Familien. Der frühmittelalterliche Mensch erhoffte sich durch gute Werke für das kommende Gericht einen gnädigen Gott. Daneben schienen als Motive aber auch politische Ziele auf. Zu den bedeutendsten Klöstern, die auf diese Weise nicht nur im alten Bistum Freising, sondern in ganz Bayern entstanden, zählten diejenigen der Benediktiner. Um 760 entstand als erstes Kloster im Bistum außerhalb Freisings das Kloster Isen und zwischen 760 und 765 wurden weitere benediktinische Klöster errichtet: Tegernsee, Scharnitz, Schäftlarn, Ilmmünster und Moosburg. Sie alle haben die Geschichte und Kultur ihrer jeweiligen Regionen über Jahrhunderte wesentlich mitgeprägt.

Das bedeutendste unter diesen Klöstern war das Kloster Tegernsee. Die beiden adeligen Brüder Otkar und Adalbert gründeten zwischen 762 und 765 dieses Kloster an der Südostecke des Tegernsees, das die Kultivierung und Missionierung des Alpenvorlandes zur Aufgabe haben sollte. Tegernsee wurde bald das wichtigste Kloster ganz Süddeutschlands, sein Wirkungsbereich erstreckte sich bis nach Tirol und Niederösterreich. Nach einer Phase des Niedergangs im 10. Jahrhundert entstand Tegernsee im Zusammenhang mit der Reform des benediktinischen Mönchtums neu. Der Tegernseer Reformkreis befruchtete nun verschiedene andere Klöster: Niederaltaich, Ebersberg, Seeon, Würzburg und Regensburg-St. Emmeram. Abt Gozbert, vorher in Regensburg-St. Emmeram, eröffnete eine Schule, die Buchkunst blühte auf und wurde vorbildlich für alle übrigen bayerischen Klöster. Auch im späten Mittelalter und in der Barockzeit besaß Tegernsee große Ausstrahlungskraft.

Alle Benediktinerabteien des alten Bistums Freising fielen 1803 der Säkularisation zum Opfer. Doch konnten im 19. und frühen 20. Jahrhundert mehrere Klöster wieder oder sogar ganz neu gegründet werden. Heute bestehen im Erzbistum München und Freising die Benediktinerabteien Scheyern, München-St. Bonifaz, Schäftlarn und Ettal. Benediktinerinnen leben in der Abtei Frauenwörth im Chiemsee und in der Münchener Kommunität Venio.

Das Wappen von Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. hat seine altbayerische Heimat in sein päpstliches Wappen aufgenommen. Alle Elemente des Bischofswappens, das er schon als Erzbischof von München und Freising und dann als Präfekt der Römischen Glaubenskongregation führte, sind auch in sein päpstliches Wappen eingegangen. Es wurde erstmals zur Amtseinführung des neuen Papstes in einem offiziellen Gedenkbild des Vatikans veröffentlicht, allerdings zunächst nur in einer skizzenhaften grafischen, nicht in einer farblichen Version.

In einem dreigeteilten Wappenschild ist der „Freisinger Mohr“ zu sehen. Der nach links blickende charakteristische gekrönte Mohrenkopf ist seit 1316 durch den Freisinger Bischof Konrad III. als Wappen des alten Fürstbistums Freising bezeugt und blieb bis zur Säkularisation 1802/03 fast unverändert erhalten. Auch danach haben alle Erzbischöfe von München und Freising ihr Bischofswappen mit dem „Caput Aethiopum“, dem Haupt eines Äthiopiers, verbunden. Es findet sich auch im Wappen von Kardinal Friedrich Wetter und ist in das neue Logo des Erzbischöflichen Ordinariats München aufgenommen worden.

Ein besonders charakteristisches Element des neuen Papstwappens ist ein Bär mit einem Packsattel, der sogenannte „Korbiniansbär“. Von Bischof Korbinian , der im 8. Jahrhundert in Altbayern den christlichen Glaube | Glauben verkündete und als geistlicher Vater und als Patron der Erzdiözese verehrt wird, gibt es eine schöne Bären-Legende: Auf einer Reise nach Rom soll ein Bär ihm das Saumtier gerissen haben. Der Heilige habe dann dem Tier befohlen, ihm die Lasten nach Rom zu tragen. In Rom angekommen, habe er den Bären jedoch entlassen, der sich dann wieder in die heimatlichen Wälder trollte. Die Deutung dieser Bären-Legende ist einleuchtend: Das Christentum zähmte und domestizierte die Wildheit des Heidentums und schuf so gerade in Altbayern Grundlagen für eine große Kultur. Der Korbiniansbär symbolisiert zugleich als „Lastträger Gottes“ auch die Bürde des Amtes. Im Wappen Benedikts XVI. wurde der Korbiniansbär nun auch in Rom heimisch.

Das dritte Element des Papstwappens, die Muschel, hat einen mehrfachen Symbolwert. Sie bezieht sich zunächst auf eine berühmte Legende um den heiligen Bischof und Kirchenlehrer Augustinus (354 bis 430): Als dieser einmal am Meeresstrand entlangging, um über die Unergründlichkeit des dreifaltigen Gottes nachzudenken, traf er auf einen Knaben, der mit einer Muschel Meerwasser in eine kleine Grube schüttete. Als Augustinus ihn nach dem Sinn seines Tuns fragte, bekam er zur Antwort: „Ich schöpfe das Meer in diese Grube.“ So ist die Muschel das Symbol für das Eintauchen in das unergründliche Meer der Gottheit. Sie steht aber auch im Zusammenhang mit dem Theologen Joseph Ratzinger und dem Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn. 1953 promovierte er bei Professor Gottlieb Söhngen an der Universität München mit einer Dissertation über „Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche“ zum Doktor der Theologie.

Als „Pilgermuschel“ weist das Symbol ferner auf einen zentralen Begriff des Zweiten Vatikanischen Konzils hin, nämlich das „pilgernde Gottesvolk“, als dessen Hirte sich Erzbischof Ratzinger und später auch Benedikt XVI. sah. Als Erzbischof hatte er das Symbol bewusst auch als „Jakobsmuschel“ in sein Wappen aufgenommen. Sie fand sich auch im Wappen des Schottenklosters in Regensburg, wo sich jetzt das Priesterseminar dieser Diözese befindet. Damit weist sie auf eine Lebensstation des Papstes und sein Wirken als Theologielehrer hin. Von 1969 bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising im Jahre 1977 lehrte er an der Universität Regensburg Dogmatik und Dogmengeschichte.

Deutsche Päpste

Mit Benedikt XVI. war zum ersten Mal seit mehr als vier Jahrhunderten wieder ein Deutscher Papst. „Papst“ ist heute die übliche Bezeichnung für den Bischof von Rom als Inhaber des universalkirchlichen Petrusamtes und für das Haupt der katholischen Kirche.

Der erste deutsche Papst war Gregor V. (996-999). Im Jahr 996 kam er als 24-Jähriger mithilfe seines Cousins, König Otto III., in das Amt. Im 11. Jahrhundert gab es dann nacheinander eine ganze Reihe deutscher Päpste. Sie konnten allerdings nicht viel bewegen, da sie meist nur kurze Zeit regierten:

  • Clemens II. (1046–47), zuvor seit 1040 Bischof von Bamberg. Sein Grab im Bamberger Dom ist das einzige Papstgrab nördlich der Alpen.
  • Damasus II. (1048), zuvor seit 1039 Bischof von Brixen, aus bayerischem Adel stammend. Er starb nach 23 Tagen als Papst in der italienischen Stadt Palestrina, nahe Rom.
  • Leo IX. (1049–54) war der bedeutendste der drei deutschen Päpste des 11. Jahrhunderts. In seiner fünfjährigen Regierungszeit war er oft auf Reisen und versammelte häufig Synoden. Er gründete das beratende Kardinalskollegium.
  • Viktor II. (1055–57), schwäbischer Herkunft, zuvor seit 1042 Bischof von Eichstätt. Er beerdigte Kaiser Heinrich III. in Speyer.
  • Stephan IX. (1057–58), Benediktiner aus Lothringen.
  • Hadrian VI. (1522–23) stammte aus Utrecht, sodass er nach damaliger Auffassung als „deutscher“ Papst galt. Er wurde 1522 gewählt, starb aber schon ein Jahr später. Auf den Kampf gegen die Reformation, die sich in Deutschland damals gerade Bahn brach, konnte er nicht wesentlich einwirken. 1523 sprach er Bischof Benno von Meißen heilig, den späteren bayerischen Landes- und Münchner Stadtpatron.

Das Geburtshaus von Benedikt XVI. in Marktl am Inn

Das Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. in Marktl am Inn (Diözese Passau) ist seit 2007 offiziell für die Öffentlichkeit zugänglich. Der damalige Passauer Diözesanbischof, Wilhelm Schraml, segnete es im Frühjahr 2007 und brachte in dem Zimmer, in dem Papst Benedikt XVI. am 16. April 1927 geboren wurde, ein Kreuz an.

Die drei Räume im Erdgeschoss des Papst-Geburtshauses widmen sich dem Ort Marktl und den Lebensstationen des Papstes. Im Obergeschoss stehen das Wirken des Theologen Joseph Ratzinger beim Zweiten Vatikanischen Konzil und seine Amtszeit als Papst Benedikt XVI. im Mittelpunkt.

Das Geburtshaus ist von Ostern bis Allerheiligen jeweils von Dienstag bis Freitag von 10:00 bis 12:00 Uhr und von 14:00 bis 18:00 Uhr sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Montags (außer an Feiertagen) ist das Geburtshaus geschlossen. Das Haus beherbergt eine Dauerausstellung über das Leben und Wirken von Joseph Ratzinger und dient auch als Begegnungsstätte.

Ehrungen von Benedikt XVI. in Bayern

Joseph Ratzinger erhielt in Bayern zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Er wurde zum Ehrenbürger seiner Wohngemeinde Pentling bei Regensburg (1987), seines Geburtsorts Marktl (1997) und der Stadt Traunstein (2005) ernannt. 2006 folgten die Ehrenbürgerschaften von Regensburg, Tittmoning, Altötting und Aschau am Inn, seit 2010 ist er Ehrenbürger von Freising.
Benedikt XVI. ist Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt (1987). Er wurde ausgezeichnet mit dem Bayerischen Verdienstorden (1977), der Verfassungsmedaille des Bayerischen Landtags in Gold (1985), dem Karl-Valentin-Orden des Münchner Faschings (1989) und dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (1996).

Enzykliken Benedikts XVI.

Eine Enzyklika (vom griech.: kyklos = Kreis) stellt ein päpstliches Rundschreiben dar, das an bestimmte oder alle Bischöfe oder auch an alle Gläubigen gerichtet ist. Gelegentlich sind auch alle Menschen guten Willens Adressaten des Rundschreibens. Enzykliken befassen sich mit Fragen der Glaubens- und Sittenlehre, der Philosophie, der Sozial-, Staats- und Wirtschaftslehre sowie der Disziplin und der Kirchenpolitik. Diese päpstlichen Rundschreiben sind Ausdruck oberster Lehrgewalt des Papstes, aber keine „unfehlbaren“ Lehräußerungen. Sie wurden von Papst Benedikt XIV. (1740–1758) eingeführt. Die meist lateinischen Anfangsworte bilden den Titel der Enzyklika. Die Enzykliken Benedikts XVI. sind im Wortlaut hier zu finden.

Weitere Veröffentlichungen Benedikts XVI.

Eine Aufstellung weiterer Veröffentlichungen Benedikts XVI. finden Sie hier.

Aktuelle Literaturempfehlungen

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