Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit

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Zum Grundverständnis der Kirche gehört es, dem Leid nicht auszuweichen, sondern sich ihm zu stellen, Fragen dazu auszuhalten, für die Würde der Opfer einzutreten. Das tut sie nicht nur für sich selbst, sondern auch im Sinne einer gesellschaftlichen Mit-Verantwortung.

Innerhalb der Erzdiözese München und Freising wird dies unmittelbar und in besonderer Weise an der KZ-Gedenkstätte Dachau sichtbar, die als ein wichtiger Erinnerungsort in Deutschland und Europa gilt. Deshalb ist die Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit des Erzbistums im Rahmen der Erinnerungskultur stark in der KZ-Gedenkstätte Dachau verortet. <events Name="Gedenkstättenarbeit" keyword="KZ-Gedenkstätte Gedenkstättenarbeit"> Bildungsveranstaltungen im Bereich Erinnern und Gedenken</events>

Allgemein

Erinnerungsarbeit, als eine Form der Erinnerungskultur, findet auf verschiedenen Ebenen statt. Sie beschäftigt sich mit individuellen Biografien und Lebensläufen sowie, sowie mit kollektiven Erinnerungen von regionalen, nationalen oder sozialen Gruppen in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Dabei spielen Orte bzw. Erinnerungsorte eine wesentliche Rolle.

Diese Beschäftigung mit der Vergangenheit und ihre Aufarbeitung im Rahmen der Erinnerungsarbeit stellt einen wichtigen Aspekt der modernen Identitätsbildung dar, sowohl individuell als auch kollektiv. Auf kollektiver bzw. nationaler Ebene spielen Denk- und Mahnmäler sowie Gedenkstätten eine zentrale Rolle bei der Aufarbeitung der Vergangenheit. Diese Stätten dienen nicht nur der Konservierung kollektiver Erinnerung, sondern stellen auch Medien zur Verfügung, die eine Vermittlung dieser Erinnerungen an die folgenden Generationen sicherstellt.

Bei der Beschäftigung mit individuellen Erinnerungen ist es sinnvoll, ein breiteres Spektrum des Begriffs „Erinnerung“ zugrunde zu legen. So bezeichnet der Begriff „Erinnerung“ in diesem Kontext nicht allein Tatsachen und Sachverhalte der Vergangenheit, sondern sollte auch Eindrücke und Empfindungen als unterbewusste Wahrnehmungen umfassen. Zum Aufbau und erhalten des kulturellen Gedächtnisses einer Gesellschaft oder Personenggruppe gehört also ein professionelles und in der Gesellschaft verankertes Konzept der Erinnerungsarbeit.

Ein wesentlicher Bestandteil der Erinnerungsarbeit ist die Vermittlung von Themen der Vergangenheit an nachfolgende Generationen. Diese Vermittlung kann über individuelle Erfahrungs- und Lebensberichte einerseits und eine kollektive Denkmal- und Gedächtniskultur andererseits erfolgen. Neben zahlreichen Gedenkstätten, die als Lernorte fungieren, spielt vor allem auch die pädagogische Vermittlung dieser Inhalte an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen eine herausragende Rolle. In jedem Fall stellt die pädagogische Beschäftigung mit der Vergangenheit einen zentralen Punkt in der Identitätsbildung moderner Gesellschaften und Individuen dar.

Die Erinnerungsarbeit in Deutschland bezieht sich hauptsächlich auf die Aufarbeitung und den Umgang mit den Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Im Dienste der Aufarbeitung und der Erinnerung an diese Verbrechen stehen zahlreiche Mahnmäler, Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen, wie etwa die KZ-Gedenkstätte Dachau, die DenkStätte Weiße Rose am Lichthof der LMU in München, das NS-Dokumentationszentrum München, der Gang der Erinnerung im Jüdischen Zentrum München oder das Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft am Platz der Opfer des Nationalsozialismus in München.

Aufgaben der Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit

Die Tätigkeiten an der Gedenkstätte selbst umfassen folgende Bereiche:

  • Betreuung und Begleitung von Besuchergruppen und einzelnen Besuchern
  • geistliche Angebote, wie z. B. Kreuzwege, Gottesdienste am Befreiungstag und zur Eröffnung der Internationalen Jugendbegegnung, Andachten in der Todesangst-Christi-Kapelle (jeweils am ersten Freitag im Monat) und Gottesdienste für Gruppen
  • Ansprechpartner für kirchliche Gruppen, Pfarreien, Einrichtungen
  • Ansprechpartner für Überlebende und Angehörige

Der Bischöfliche Beauftragte nimmt darüber hinaus auch folgende Aufgaben wahr:

  • Referate und Vorträge für diözesane Einrichtungen zum Thema
  • Kontakt zum Dekanat Dachau (Dekanatskonferenz, Jugendstelle) und seinen Einrichtungen
  • Veranstaltungen verschiedener Art (meist in Kooperation mit anderen Einrichtungen) zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt- und Terrorherrschaft
  • Kontaktpflege und Kooperation mit anderen Gedenkstätten bzw. mit den dortigen MitarbeiterInnen oder Veranstaltern kirchlicher Gedenkarbeit

Das aktuelle Halbjahresprogramm mit den Veranstaltungen der katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau finden Sie hier.

Die KZ-Gedenkstätte Dachau

Die Gedenkstätte umfasst heute das gesamte Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers.

Katholische Seelsorge in der KZ-Gedenkstätte

Direkt auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau ist auch die Katholische Seelsorge untergebracht, und zwar im ersten Stock des Verwaltungsbaus.

Der Auftrag der katholischen Kirche ist hier das Erinnern an die Leiden der Verfolgten, d. h. die „memoria passionis“, die zum Urauftrag der Kirche gehört. Die Erinnerung an die Passion Jesu bildet den historischen wie inhaltlichen Kern der Glaubensüberlieferung im christlichen Credo. Bis zum heutigen Tag ist klar, dass sie diesem Auftrag nur treu bleiben kann, wenn sie nicht an den Opfern von Gewalt und Misshandlung, von Terror und Krieg vorbeigeht, sondern sich ihrer annimmt, sich um sie sorgt und sich mit ihrer eigenen Rolle auch kritisch auseinandersetzt.

Dieser Auftrag wird durch verschiedene Maßnhamen wahrgenommen: Gottesdienste, Führungen, ökumänische Feier, Andachten u.v.a.m.

Einen Übersichtsplan über die KZ-Gedenkstätte Dachau finden Sie hier.

Kontakt

Fachbereich Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit
Ludwig Schmidinger, Pastoralreferent und Bischöflicher Beauftragter für KZ-Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese München und Freising

Literatur

  • Assmann, Aleida: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses, München 1999.
  • Assmann, Aleida: Arbeit am nationalen Gedächtnis. Eine kurze Geschichte der deutschen Bildungsidee, Frankfurt am Main u. a. 1993.
  • Assmann, Aleida: Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik, München 2006.
  • Battke, Kathleen: Trümmerkindheit. Erinnerungsarbeit und biografisches Schreiben für Kriegskinder und Kriegsenkel, München 2013.
  • Gerhardus, Sabine; Mensing, Björn (Hrsg.): Namen statt Nummern. Dachauer Lebensbilder und Erinnerungsarbeit, Leipzig 2007.
  • Gstettner, Peter: Bevor die Glut verlöscht. Die Erinnerungsarbeit an NS-Tatorten als ein politisches Lernprojekt, in: Beutler, Kurt u. a. (Hrsg.): Jahrbuch für Pädagogik 2003, Erinnern – Bildung – Identität, Frankfurt am Main 2003, S. 305-325.
  • Nolz, Bernhard; Popp, Wolfgang (Hrsg.): Erinnerungsarbeit. Grundlage einer Kultur des Friedens, Münster 2000.
  • Ruppert, Wolfgang (Hrsg.): Erinnerungsarbeit. Geschichte und demokratische Identität in Deutschland, Opladen 1982.
  • Schulze, Theodor: Kriegsende 1945 – Erinnerungsarbeit in einer Schreibwerkstatt. Zum Verhältnis von individueller Erinnerung und kollektivem Gedenken, in: Dörr, Margret u. a. (Hrsg.): Erinnerung – Reflexion – Geschichte. Erinnerung aus psychoanalytischer und biographietheoretischer Perspektive, Wiesbaden 2008, S. 213–227.
  • Widmaier, Benedikt; Steffens, Gerd (Hrsg.): Politische Bildung nach Auschwitz. Erinnerungsarbeit und Erinnerungskultur heute, Schwalbach 2015.

Links

Veranstaltungen zum Thema „Erinnern und Gedenken“

Aktuelle Veranstaltungen der Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit finden Sie hier.

Zudem erhalten Sie hier Informationen zu Führungen durch die KZ-Gedenkstätte Dachau.

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